Wer hier regelmäßig mitliest, der weiss ja wahrscheinlich schon, dass ich kein großer Freund des aktuellen Anime-Mainstreams bin. Da Rumnörgeln alleine aber auch nix bringt und auf Dauer wahrscheinlich sogar nervt, dachte ich mir, es wäre an der Zeit, auch mal einige IMO gelungene Titel vorzustellen, vorzugsweise natürlich solche von der weniger bekannten Sorte. Das können Klassiker sein, die speziell den jüngeren Fans heutzutage nicht mehr geläufig sind, aktuelle(re) Titel, die im Hype um ihre mit größeren Werbeetats gesegneten Brüder & Schwestern untergingen oder auch Independent Produktionen. Vielleicht weite ich das Ganze später auch noch auf Games und Musik aus. Mal schauen, was mir da noch so alles einfällt …
Den Anfang möchte ich mit einem wunderbaren Anime aus dem Jahr 1998 machen: Kurogane Communication hat eigentlich alles, was einen erfolgreichen Anime ausmacht: Eine Mangavorlage (geschrieben von Hideo Kato, illustriert von Tomomasa Takuma), einen nicht ganz unbekannten Regisseur (Yasuhito Kikuchi), Musik von Kenji Kawai, bemerkenswerte Charaktere (Character Design von Shinya Takahashi), Comedy, Drama, Spannung und sogar ein schönes Ende.
Trotzdem ist der Anime, zumindest in westlichen Gefilden, so gut wie unbekannt. Das mag zum einen am Zeitpunkt seines Erscheinens liegen (1998 erschienen z.B. auch solche “Schwergewichte” wie Cowboy Bebop, CCS und BGC 2040), zum anderen an dem eigenwilligen Format mit 24 Episoden à 15 Minuten. Viele Leute dachten bzw. denken vielleicht, dass man in dieser kurzen Zeit einfach keine gescheite Geschichte erzählen kann …
Wozu ich nur sagen kann: Und wie man kann! Kurogane Communication dreht sich um die 13-jährige Haruka und ihre fünfköpfige “Famile”, welche komplett aus intelligenten Robotern besteht. Die Roboter fanden Haruka 30 Jahre nach einem Krieg, der die gesamte Menschheit auslöschte, in einer Kälteschlafkapsel und beschlossen, sie aufzuziehen. Damit beginnt Harukas Leben als letzter Mensch auf Erden, welches allerdings, entgegen allem, was man vielleicht aus Filmen wie “Mad Max” über das Leben nach der Apokalypse weiss, alles andere als einsam und deprimierend ist.

Das ist eine der Besonderheiten dieses Anime: Seinem post-apokalyptischen Setting zum Trotz ist Kurogane Communication alles andere als ein typischer Endzeitfilm und Harukas Leben unterscheidet sich (zumindest anfangs) nicht wesentlich von dem “normaler” Teenager, sieht man einmal von der desolaten Umgebung und eben der Tatsache ab, dass sie ausschließlich von Robotern umgeben ist – allerdings von sehr eigenwilligen und sehr menschlichen.
Diese Roboter und ihre ganz unterschiedlichen Charaktere und Eigenarten sind es dann auch, die den Anime im Endeffekt tragen. Da ist z.B. Spike, ein Haushaltsroboter mit dem Aussehen eines Jungen in Haruka’s Alter, der panische Angst vor dem Tag hat, an dem Haruka vielleicht doch noch andere Menschen findet und die Gruppe (d.h. vor allem ihn) verlässt. Angela, ein weiblicher Duelldroide, die Menschen hasst und sich nur langsam mit Haruka anfreundet. Reeves, der aussieht wie der Terminator persönlich, tatsächlich aber ein gutmütiger Wartungsroboter ist, der oft die Rolle einer Vaterfigur für Haruka übernimmt. Cleric, Harukas Lehrer und das wandelnde (bzw. schwebende) Lexikon der Gruppe. Und schließlich Trigger, der die Gruppe durch seine Temperamentsausbrüche immer wieder in Schwierigkeiten bringt und für Unterhaltung sorgt. Was die Gruppe jedoch eint, ist ihre Entschlossenheit, füreinander da zu sein, sich gegenseitig zu unterstützen und notfalls auch zu beschützen, so wie es eine richtige Familie eben tut/tun sollte.

Natürlich hat Kurogane Communication auch traurige oder dramatische Momente (z.B. als Haruka herausfindet, was mit ihren echten Eltern passiert ist) und bietet, besonders in der zweiten Hälfte, auch einiges an Action und unerwarteten Wendungen. Aber insgesamt ist es einfach ein schöner und positiver Anime um das zentrale Thema Freundschaft und Familie, an dessen Ende die Erkenntnis steht, dass Roboter eben doch die besseren Menschen sind – zumindest die intelligenten unter ihnen.
Kann ich mir jedenfalls immer wieder anschauen und wärmstens allen empfehlen, die eine halbwegs intelligente Story zu schätzen wissen, sowie sympathische und glaubwürdige Charaktere, an die man sich auch nach dem Abspann noch eine ganze Weile gerne erinnert.
Leider ist Kurogane Communication nirgendwo im PAL-Territorium jemals auf DVD erschienen. Außerhalb Japans wurde der Anime lediglich in den USA veröffentlicht und zwar 2002 von Media Blasters (als Boxset oder auf 3 Einzel-DVDs). Der Manga ist ebenfalls nur in Japan und in den USA zu haben. Importieren sollte aber noch ohne große Probleme möglich sein.

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