
In einer überraschenden Wendung der Ereignisse wendet sich Eroge-Produzent Minori (Wind, ef), der durch die Sperrung seiner Webseite für ausländische Besucher in den letzten Tagen für mächtig Verstimmung in der “Szene” gesorgt hatte, nun an dieselben ausländischen Teufel, mit der Bitte um Unterstützung: http://www.minori.ph/
In Kurzform bittet man darum, E-Mails an die japanische Regierung zu schreiben und ihr mitzuteilen, was (=nichts) man von den aktuell beschlossenen Verboten bzw. Zensurmaßnahmen im Zusammenhang mit Eroge hält.
Hm … grundsätzlich bin ich ja immer dafür, Politiker wissen zu lassen, was man von ihnen und ihrer Politik hält – speziell wenn selbige nur noch aus dem Erfinden immer neuer Verbote und Schikanen besteht. Allerdings halte ich diese konkrete Idee leider für mehr als nur ein bisschen naiv.
Wie wenig sich gerade japanische Politiker für gewöhnlich um Einwände von Ausländern scheren, zeigt sich ja z.B. regelmäßig beim Beispiel Walfang. Insofern halte ich es auch für Quatsch, wenn hier versucht wird, den Eindruck zu erwecken, das nun von der EOCS offenbar tatsächlich beschlossene “Fetisch-Verbot” (=alles außer “handelsüblichen” Beziehungen/Handlungen zwischen Charakteren (mit Ausnahme von Yaoi & Shota
) ist in Zukunft in Eroge & VNs tabu, genauso wie alle (weiblichen) Charaktere unter 18) wäre nur eine Reaktion auf die Kritik einiger ausländischer Feministinnen an Titeln à la Rapelay.
IMO sind die meisten Probleme der Eroge-Branche (wie auch der Spielebranche allgemein) in Japan z.Zt. hausgemacht und mit den Verkaufszahlen schwindet auch der politische/gesellschaftliche Status und man wird angreifbar für einheimische(!) Moralisten, Kontroll-Freaks, religiöse Dogmatiker usw., mit denen Japan ebenfalls in ausreichender Zahl “gesegnet” zu sein scheint. Daran werden wir Ausländer nicht viel ändern können – zumal sich ein Großteil der Eroge-Produzenten ja auch nach wie vor weigert, uns ihre Produkte (legal) zu verkaufen und wir daher ja eigentlich gar nichts von ihrer Existenz / ihren Problemen wissen können …
Aber vielleicht bewirken die aktuellen Ereignisse zumindest in dieser Richtung endlich einen (Gesinnungs)Wandel … Dann wäre dieses ganze Chaos ja sogar tatsächlich noch zu was gut und unsere eigenen Moralapostel und Verbots-Fetischisten, die den Stein immerhin ins Rollen gebracht haben, hätten das genaue Gegenteil von dem erreicht, was sie eigentlich erreichen wollten. Fast zu schön, um wahr zu sein! Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich immer zuletzt …
P.S.: Wer bis hierher nur Bahnhof verstanden hat: (Viel) Mehr zum Thema “Der Rape-Game-Bann, der ein Ero-Bann wurde” findet sich (wie üblich bei schlüpfrigen Themen) bei Sankaku Complex. (NSFW! Aber sowas von!) Hochinteressanter Lesestoff, allerdings nur auf Englisch … Weiss nicht, ob das Thema auch schon von deutschen Bloggern gecovert wurde. Falls ja, bitte per Kommentar melden!
P.P.S.: Kurze Ergänzung, weil das im Artikel nicht klar rüberkommt (war noch ziemlich heiss, als ich ihn verfasst habe ^^;): Gesetz ist dieser “Eroge-Bann” im Moment noch nicht, sondern das Parlament diskutiert noch darüber. Allerdings hat die EOCS (=”Ethics Organization of Computer Software”, in Japan u.a. für die Alterseinstufung von PC-Games zuständig) bereits, in vorauseilendem Gehorsam, eine Schwarze Liste mit Themen erstellt, die in Zukunft für die ihr angehörenden Firmen (darunter praktisch alle Hersteller von Adult PC-Games) tabu sein sollen. Und diese Liste kommt praktisch einem Produktionsverbot für Eroge gleich – jedenfalls für Eroge, die diesen Namen noch verdienen.
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