
Und mal wieder ein RPG durch! Hab am Samstag dem unfreundlichen Mann im Mond ordentlich den Arsch versohlt und meine persönliche Unendliche Ent-Entdeckung damit doch zu einem (zumindest vorläufigen) Ende gebracht. ^^
Infinite Star Ocean?
Insgesamt hat mir das Game ziemlich gut gefallen, auch wenn die Story stellenweise etwas wirr war und das Ende etliche Fragen offen lässt bzw. sie überhaupt erst aufwirft. Aber dafür hat es sich wirklich sehr flott und unterhaltsam gespielt, wobei mich die Spielmechanik und das “Feeling” doch sehr an Star Ocean 2 erinnert haben (SO3 hab ich leider noch immer nicht gespielt ^^;). Wenig überraschend eigentlich, wurden doch beide Spiele von tri-Ace entwickelt.
Besonders auffällig sind die Ähnlichkeiten bei den Kämpfen, die in beiden Games in Echtzeit ablaufen. Bei Infinite Undiscovery fügen sich die Scharmützel allerdings nahtlos in das restliche Spielgeschehen ein (d.h. es wird kein extra Kampfbildschirm mehr geöffnet) und man steuert immer nur den aktuellen Anführer der Gruppe. Die anderen Gruppenmitglieder (maximal 3) agieren weitestgehend selbständig, wobei man ihr Verhalten allerdings durch die Einstellung bestimmter Taktiken (“auf einen Gegner konzentrieren”, “MPs sparen”, “Warten” usw.) beeinflussen kann. Zusätzlich stehen noch die sogenannten “Connect Skills” zur Verfügung, spezielle Aktionen und Attacken, die (fast) jeder Charakter zusammen mit dem Protagonisten Capell ausführen kann und mit einem Druck auf den Y-Button fordert man Erste Hilfe für verletzte oder getötete Kameraden an.
Neue Skills und Zaubersprüche werden bei Infinity Undiscovery ebenfalls automatisch gelernt. Man kann allerdings für jeden Charakter festlegen, welche davon er/sie verwenden soll und welche nicht.
Eine Spezialität von Infinite Undiscovery bzw. von Capell ist seine Flöte, die nicht nur zum Aufspüren verborgener Schätze oder zum Geldverdienen taugt, sondern sich auch im Kampf als nützlich erweist, z.B. um bestimmte Monster für die Verbündeten überhaupt erst sichtbar und angreifbar zu machen, Gegner zu verwirren, Magie zu vertreiben uvm. – immer vorausgesetzt allerdings, dass man vorher die entsprechenden Melodien gefunden, aufgeschrieben und gelernt hat.
Womit wir bei einer weiteren Ähnlichkeit mit Star Ocean wären, an der zumindest ich persönlich eine Menge Spaß hatte: Dem Item-Erschaffungssystem! Einige der Charaktere in Infinite Undiscovery verfügen über handwerkliche Fähigkeiten (Schmied, Koch, Alchemist usw.), die es ihnen erlauben, Items (darunter auch die besagten Partituren für Capells Flöte) und Ausrüstungsgegenstände mithilfe gefundener oder gekaufter Rohstoffe herzustellen oder zu verbessern.
Wenn man will, kann man sich so mit ein bisschen Zeitaufwand und für wenig Fol (die Spielwährung) hochwertige Waffen und Rüstungen selbst zusammendengeln, eigene Heilmittel herstellen (die oft besser sind als die in den Shops angebotenen) oder die “Kriegskasse” durch den Verkauf selbstproduzierter Snacks oder Gegenstände auffüllen. Selbstredend verbessern sich die entsprechenden Fähigkeiten bei regelmäßigem Einsatz, so dass sich im Laufe des Spiels immer bessere Items immer leichter herstellen lassen.
Zur Lösung des Spiels sind diese Do-It-Yourself-Einlagen zwar nicht unbedingt erforderlich, aber sie sind eine schöne Ergänzung IMO und tragen wesentlich dazu bei, die Charaktere und das Spielerlebnis zu individualisieren.
Licht & Schatten
Mit Abstand am meisten gestört hat mich an Infinite Undiscovery, dass man die Zusammensetzung der Party nur in den Städten ändern kann. Das ist besonders ärgerlich, da etliche Schätze im Gelände oder in Dungeons nur von bestimmten Charakteren erreicht bzw. eingesammelt werden können. Hat man den entsprechenden Charakter nicht dabei, hat man einfach Pech gehabt, es sei denn, man ist bereit, den ganzen Weg bis zur nächsten Stadt (zurück) zu laufen, ihn einzuwechseln und dann wieder zur Kiste zurückzukehren – und zu den ganzen Monstern, die man zwar auf dem Hinweg schonmal besiegt hatte, die aber jedes Mal wieder auftauchen, sobald man eine Stadt betritt. Im Endgame schließlich steht dann nicht einmal mehr diese Möglichkeit zur Verfügung, da es hier schlicht keine Städte mehr gibt und man auch nicht mehr zurück kann. D.h. man ist hier auch noch zusätzlich angesch***, wenn man feststellt, dass die aktuelle Gruppe gegen den/die Endgegner nichts taugt.
Ganz im Gegensatz zum Auswechseln von Gruppenmitgliedern funktioniert das Herstellen von Gegenständen nur AUßERHALB der Städte, was mindestens genauso nervig sein kann. Speziell wenn man versucht, höherwertige Gegenstände zu erschaffen, die oft misslingen und einen zwingen, x-mal zurück in die Stadt zu rennen, um neue Rohmaterialien zu kaufen und wieder raus, um die Herstellung erneut zu probieren. -_-
Unsinnig finde ich persönlich auch die Unterteilung der unterwegs zusätzlich zu der Gruppe stoßenden Charaktere in primäre und sekundäre Mitglieder. So besteht die gesamte “Force” gegen Spielende aus 17 Charakteren, von denen man aber nur 12 in seine Party aufnehmen kann. Die anderen kommen nur an einigen wenigen Stellen im Spiel zum Einsatz, an denen man mehrere Teams bilden muss. Und auch dann kann man immer nur die Gruppe um Capell aktiv spielen. Für die anderen Teams bekommt man nach Abschluss der Mission / des Kapitels lediglich ein Ranking präsentiert sowie einige Fol und Items überwiesen.
Weniger gestört hat mich dagegen das Fehlen einer japanischen Sprachausgabe und/oder die oft bemängelte fehlende Lippensynchronität des englischen Dubs bzw. seine völlige Abwesenheit in einigen Zwischensequenzen. Mag daran liegen, dass ich noch mit Spielen groß geworden bin, die überhaupt keine Sprachausgabe hatten – heutzutage wahrscheinlich kaum noch vorstellbar, ne?
Insgesamt gehört der Ton bzw. die Musik IMO eher zu den Stärken von Infinite Undiscovery als zu den Schwächen (selbst den englischen Dub finde ich, da wo es ihn gibt, recht gut gelungen) und auch grafisch hat mir das Game gut bis sehr gut gefallen, mit Ausnahme der teilweise etwas trist und düster geratenen Innenräume von Gebäuden vielleicht. Dafür hat die Außenwelt einige wirklich beeindruckende Landschaften und Panoramen zu bieten!
Meine Durchspielzeit lag bei ziemlich genau 50 Stunden, wobei ich allerdings auch ziemlich gründlich war, was die Suche nach versteckten Schätzen und das Aufspüren und Lösen von Sidequests angeht. Und mit dem Zusammenbasteln von Items hab ich bestimmt auch nochmal ein paar Stündchen verbracht. ^^ Wenn man unbedingt will, kann man das Game sicher auch in der Hälfte dieser Zeit durchspielen, aber das hat dann in meinen Augen nicht mehr wirklich viel mit Rollenspiel zu tun …
Ein gewisser Wiederspielwert ist gegeben, da man im ersten Anlauf praktisch keine Chance hat, alle Items und optionalen Quests zu finden (s.o.). Was ich allerdings schmerzlich vermisse, ist ein New Game+ Modus, der es einem erlauben würde, die ganze mühsam zusammengekaufte oder -gebastelte Ausrüstung zu behalten …
Dafür schaltet das Beenden des Games auf Level Normal nicht nur einen neuen Schwierigkeitsgrad (Hard) frei, sondern auch noch ein Bonus-Dungeon, das einen nochmal ca. 5-10 Stunden lang beschäftigt halten sollte.
Fazit
Unterm Strich ist Infinite Undiscovery ein zwar nicht weltbewegendes aber doch durchaus gelungenes RPG, das speziell Fans von Star Ocean ansprechen dürfte bzw. alle, die beim Kämpfen auch gerne mal selbst Hand (bzw. Schwert) anlegen und sich nicht immer nur durch Menüs klicken wollen. Auf der anderen Seite sind die Kämpfe aber auch nicht so hektisch und/oder komplex, dass sie Spieler, die nicht an Action-RPGs gewöhnt sind, überfordern würden. Eine breite Palette von Charakteren (die leider nicht alle spielbar sind) sowie nette Extras wie Capell’s “Zauberflöte” und das Item-Erschaffungsssystem runden den positiven Gesamteindruck ab.
Storytechnisch konnte mich das Game über weite Strecken überzeugen und fesseln, allerdings ist das Ende leider … purer Quatsch. ^^; Was schade ist, denn, wie gesagt, grundsätzlich ist die ganze Geschichte um den Mond und seine Segnungen (oder was man dafür hält) wirklich nicht dumm oder unspannend.
Wer mit dieser sowie mit einigen (spiel)technischen Macken leben kann, dem kann ich das Game durchaus empfehlen, zumal es mittlerweile auch schon recht günstig zu haben ist (neu ca. 20-25€ bei eBay). Dafür bekommt man ca. 40-60 Stunden gute Unterhaltung (incl. Bonus-Dungeon), schöne Landschaften & Musik, eine attraktive Tsundere und eine (bis auf das Ende) recht interessante und motivierende Story. Was will man mehr?
Meine Wertung: 8 von 10 Punkten
Infinite Undiscovery Gameplay
Charakter-Trailer (Jap.)
















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