
*seufz* Das Wochenende war mal wieder einsame Spitze.
Erst wären mir am Samstag auf dem Weg zur Bushaltestelle fast alle möglichen wichtigen Körperteile abgefroren (Ich HASSE die Kombination Winter und öffentlicher Nahverkehr!) Am Sonntag wollte ich dann eigentlich ne ruhige Kugel schieben und u.a. diesen Artikel fertigschreiben. Das ging auch solange gut, bis ich auf die Schnapsidee kam, in einen Uralt-486er-Notebook mit Win95 drauf (bzw. in die zu jenem Uralt-486er-Notebook gehörende Dockingstation) eine Plug & Play (Hah!) Netzwerkkarte einzubauen. Die Aktion zog sich dann bis ca. 6 Uhr heute morgen hin … Aber ich hab gewonnen! ^^ Und heute klingelt den ganzen Tag das Telefon und alle möglichen Deppen versuchen, mir irgendwelchen Scheiß zu verhökern … -_-
Anyway! Kommen wir von den Leiden des jungen PJ mal zu denen von Miss Croft:
Zunächst mal zu den positiven Aspekten des Spiels: Grafisch ist das Ganze wirklich äußerst opulent geraten, wobei IMO allerdings kein anderer an die visuelle Qualität des Thailand-Levels (manchem vielleicht schon bekannt aus der Demo) heranreicht. Auch für reichlich Abwechslung ist gesorgt: Lara läuft, springt, taucht und hangelt sich auf ihrer Suche nach Thor’s Hammer und der nordischen Unterwelt Helheim durch die unterschiedlichsten Umgebungen und Level, vom Mittel- bis zum Eismeer, mit Zwischenstops in Thailand, Mexiko und Croft Manor, wobei die Level (passend zum Unterwelt-Thema des Spiels) in der Regel in einen ober- und einen unterirdischen Abschnitt unterteilt sind. In der “Oberwelt” kommt auch das Motorrad wieder zum Einsatz.
Was mir persönlich besonders aufgefallen ist (mag allerdings auch daran liegen, dass Tomb Raider II das letzte Tomb Raider ist/war, das ich vor Underworld gespielt habe), ist dass das Spiel ganz schön actionlastig geraten ist. Nicht nur hat Lara selbst deutlich an Muskelmasse zugelegt, auch ihr Waffenarsenal ist deutlich angewachsen und umfasst nun, neben ihren typischen Pistolen, auch noch Uzis, Schrotflinte, Sturmgewehr, Harpune und sogar Handgranaten. Und dieses umfangreiche Arsenal ist auch bitter nötig, denn neben Spinnen, Tigern, Panthern und Haien bekommt man es u.a. auch mit anderen Grabräubern, Söldnern, Riesenkraken und ganzen Horden untoter Viecher bis zur Größe eines Kleinbusses zu tun. Neu ist auch, dass Lara mit ihren Pistolen nun zwei Gegner gleichzeitig ins Visier nehmen kann.
Mir persönlich gefällt diese Entwicklung in Richtung “Dirty Lara” ja nicht so besonders, aber sie entspricht wohl dem Zeitgeist. Selbst James Bond erinnert neuerdings ja eher an eine Mischung aus Terminator und Bruce Lee – mit dem Charme und der Ausstrahlung des Terminators …
Apropos Bruce Lee: Auch die Bewegungen und “Moves” Laras können sich sehen lassen! Macht schon Spaß, ihr dabei zuzusehen, wie sie sich z.B. an Wänden entlanghangelt, auf Balken oder Säulen balanciert oder Abgründe in bester Indiana-Jones-Manier (mit Seil und Haken) oder im Stile eines Geräteturners (mit einem Felgaufschwung) überwindet. Und auch ihr Hintern wird selbst nach stundenlangem Draufgucken kaum langweilig.
Allerdings bringen uns Laras Moves auch direkt zu den Teilen des Games, die mir weniger bzw. überhaupt nicht gefallen haben, wie z.B. die Steuerung und die Kameraführung. So ist es z.B. oft schlicht nicht möglich, zu sehen, wo man hinspringen soll, die Kamera schwenkt und zoomt besonders im Nahkampf gerne mal planlos durch die Gegend, so dass man den/die Gegner aus den Augen verliert und selbst, wenn man das Ziel eines Sprunges o.Ä direkt vor sich sieht, heisst das noch lange nicht, dass Lara sich auch tatsächlich in diese Richtung in Bewegung setzt, wenn man den Steuerstick nach vorne drückt.
Dazu kommen einige Merkwürdigkeiten, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob es sich um Bugs oder geplante Erschwernisse handelt: So gibt es z.B. eine Stelle im Spiel, an der man über eine sich in Gegenrichtung bewegende Kette laufen muss. Lara läuft aber immer nur ein paar Schritte und bleibt dann wie angewurzelt stehen. Weiter kommt man nur mit einem Sprung – einem Sprung, der dank der o.a. “hochpräzisen” Steuerung in den allermeisten Fällen im Nichts endet und einen zwingt, die ganze Sequenz zu wiederholen … und zu wiederholen … und zu wiederholen … und zu wiederholen …
Derartige “Zicken” sorgen immer wieder für reichlich unnötigen Frust. Wohlgemerkt: Ich rege mich nicht über Passagen auf, die einfach schwierig sind und nur mit etwas Übung zu meistern. Sowas ist völlig ok IMO. Was aber nervt, ist wenn aufgrund von Ungenauigkeiten/Ungereimtheiten in der Steuerung an einigen Stellen nur der blanke Zufall darüber entscheidet, ob man weiterkommt oder nicht. Das muss wirklich nicht sein.
Wobei, wer weiß? Vielleicht steckt dahinter ja auch Methode, denn ohne solche Frustpassagen, deren Überwindung eine kleine Ewigkeit dauern kann, wäre das Game noch kürzer, als es ohnehin schon ist. Ich hab meine reine Spielzeit nicht mitgestoppt, aber mehr als 20-25 Stunden werden es kaum gewesen sein – und ich hab mich wirklich bemüht (zumindest bis zum letzten Drittel des Games), möglichst viele versteckte Schätze zu finden und einzusammeln. Underworld besitzt zwar einen gewissen Wiederholungswert, denn alle Erfolge und Schätze wird man im ersten Durchlauf kaum schaffen und mit den Schätzen lassen sich einige nette Extras (Bildergalerien & neue Kostüme für Lara) freispielen, aber angesichts eines Preises von knapp 60€ ist selbst das einfach zu wenig Spiel fürs Geld IMO.
Dazu kommt das abrupte und enttäuschende Ende, das eigentlich gar keins ist und zumindest mich mit einem verwirrten “Wie jetzt? Das wars schon?” auf dem Gesicht zurückgelassen hat. Das mag daran liegen, dass Underworld nur der zweite Teil der Trilogie ist, die mit Tomb Raider Legend begann, aber selbst so hätte der Spieler am Ende IMO doch ein paar Antworten mehr und vor allem eine kleine Belohnung in Form eines gescheiten Epilogs/Abspanns verdient. So bleibt leider ein ziemlich fader Nachgeschmack.
Mein Fazit also: Optisch (und akustisch) opulent in Szene gesetztes Abenteuer mit einigen technischen Macken und einer dürftigen Story ohne richtigen Anfang und Ende. Für Lara-Fans sicher ein Muss – speziell für diejenigen, die “Legend” gespielt haben und wissen wollen, wie die Geschichte weitergeht. Alle anderen sollten es vielleicht erstmal ausleihen und dann erst entscheiden, ob es ihnen den doch recht happigen Anschaffungspreis wert ist oder nicht.
By the way: Hab gerade noch gelesen, dass für Anfang 2009 noch zusätzliche Inhalte zum Runterladen angekündigt sind. Damit relativiert sich dann eventuell das über die kurze Spieldauer Gesagte. Allerdings hab ich noch keine Infos über Art und Umfang dieser zusätzlichen Inhalte und umsonst werden sie wohl auch kaum sein …
P.S.: Hab ich irgendwie oben vergessen zu erwähnen: Die Puzzles im Spiel sind eigentlich alle recht logisch und einfach zu lösen. Ich kann mich nur an zwei oder drei Stellen erinnern, wo nicht sofort klar war, was zu tun ist. Allerdings ist es manchmal nötig, lange Wege zu gehen, d.h. ein paarmal durch ein Dungeon hin- und herzulaufen, um sämtliche Schalter zu bedienen o.Ä. Das kann manchmal schon etwas nerven, besonders wenn durch das Aktivieren von Schaltern immer wieder neue Monster auftauchen oder man gleich mehrmals eine der oben beschriebenen tückischen Passagen überwinden muss. Bei einigen (wenigen) Aufgaben gibt es auch noch ein Zeitlimit, aber das ist dann eigentlich immer so gewählt (zumindest auf Schwierigkeit Normal), dass es kein großes Problem darstellt. Im Großen und Ganzen hat mir die Puzzelei jedenfalls gut gefallen und Spaß gemacht. ^^
Apropos James Bond: Wer ist Dein Lieblings-Bond?
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