Mein etwas abseitiger Spielegeschmack dürfte ja mittlerweile hinlänglich bekannt sein und so dürfte es wohl auch niemanden wirklich verwundern, dass ich mir neulich Earth Defence Force 2017 von D3 Publisher günstig bei eBay “geschossen” habe. Das Game sticht mir schon seit einer ganzen Weile in der Nase, handelt es sich doch um den Nachfolger von The Chikyuu Boueigun 2 (aka Global Defence Force), mit dem ich schon auf der PS2 viel Spaß hatte. Ich meine sogar, EDF 2017 wäre eine ziemlich exakte Umsetzung des originalen The Chikyuu Boueigun (erster Teil). Kann ich allerdings nicht mit Bestimmtheit sagen, da ich das Original auf der PS2 nicht gespielt habe. Was ich bis jetzt davon bei Youtube an Missionen und Gameplay gesehen habe, kommt mir jedoch sehr bekannt vor.
Anyway! Grafisch wurde EDF 2017 für die Xbox 360 ordentlich aufgepeppt, was aber leider auch zur Folge hat, dass das Game stellenweise genauso hakt und ruckelt wie der Vorgänger auf der PS2. Dafür fliegt einem in solchen Momenten aber auch eine schier unglaubliche Menge an Zeugs um die Ohren. ^^; Insofern hat man es eigentlich selbst in der Hand, ob es ruckelt oder nicht: Wer schnell und gründlich auf dem Bildschirm aufräumt, bei dem ruckelt auch nix. Oder andersherum: Wenns ruckelt, ist man einfach nur schlecht.
Damit aber zum Review:
Die Handlung
Im Jahr 2017 taucht über der Erde eine Raumflotte der “Ravagers” auf, die vorher offenbar fleissig irdische B-Movies geschaut und eine Invasionsstreitmacht zusammengestellt haben, wie sie sich Jack Arnold und Ishiro Honda gemeinsam nicht schöner hätten ausdenken können. Und so wimmelt es in den irdischen Großstädten (insbesondere natürlich in Tokyo) bald von Riesenameisen, Riesenspinnen, Riesenrobotern, Riesendinos usw., welche die Erdlinge als willkommene Zwischenmahlzeit betrachten. Zum Glück haben die Regierungen dieser Welt allerdings schon seit Jahren und in weiser Voraussicht (wie sich jetzt herausstellt) die Steuern ihrer Bürger für die Aufstellung der “Earth Defence Force” verballert … errr … verwendet und so ist es nun am Spieler, als bester Kämpfer dieser Streitmacht den Invasoren ordentlich in ihre Chitin- bzw. Blechhintern zu treten und ihnen klarzumachen, dass wir Menschen keinerlei außerirdische Hilfe bei der Zerstörung unseres Planeten benötigen.


Das Spiel
So simpel und geradlinig wie die Story ist eigentlich das gesamte Spiel gestrickt und gerade das finde ich auch mal sehr schön und entspannend. Es sind keine komplizierten Kontrollen auswendig zu lernen (Hallo Project Sylpheed!) und die Missionsziele kapiert man sogar, wenn man kein Wort Englisch versteht: Geh und mach alles platt, was sich bewegt! Wer Lust hat, der kann zusätzlich auch noch alles plattmachen, was sich nicht bewegt, denn grundsätzlich lässt sich ALLES auf dem Schlachtfeld vom festen in den kaputten Aggregatzustand überführen, d.h. z.B. auch sämtliche Gebäude. Warum also den Invasoren nicht mal ein bisschen Arbeit abnehmen? Vielleicht stimmt sie das ja friedlicher.
Die Areale, in denen man sich während der Missionen frei bewegen kann (muss), sind dabei in der Regel sehr umfangreich, wenn auch oft nicht besonders abwechslungsreich gestaltet. Aber wir sind ja auch nicht zum Sightseeing hier, gell?
Der Storymodus besteht aus insgesamt 53 Missionen, die in 5 verschiedenen Schwierigkeitsgraden absolviert werden können und den Spieler an unterschiedliche Kriegsschauplätze führen (Städte, Canyons, offenes Gelände, unterirdische Höhlenlabyrinthe usw.) Die einzelnen Szenarios können dabei entweder im Alleingang oder gemeinsam mit einem Freund im Splitscreen-Modus gespielt werden. Zusätzlich zum Spieler bzw. den Spielern sind in der Regel auch noch einige computergesteuerte sogenannte Ranger-Teams (Trupps mit EDF-Soldaten) über das Schlachtfeld verstreut, die einen ebenfalls mehr oder weniger effektiv unterstützen können, wenn man sie nett darum bittet. Einen Online-Modus gibt es leider nicht.
Zur Insektenvertilgung stehen insgesamt 171 verschiedene Waffen zur Verfügung, von denen die meisten allerdings erst im Spiel aufgesammelt werden müssen, wo sie von getöteten Monstern fallengelassen werden, genauso wie Armor-Upgrades und Medkits. Gefundene Waffen und Upgrades können allerdings nicht sofort verwendet werden, sondern stehen erst für die nächste Mission zur Verfügung. Es können zudem immer nur zwei Waffen mitgeführt werden. Es kann also nicht schaden, sich die jeweilige Missionsbeschreibung gut durchzulesen und Waffen zu wählen, die (hoffentlich) effektiv sind gegen die zu erwartenden Gegner. In der Regel ist man jedoch mit einer Shotgun bzw. einem Sturmgewehr für den Nahkampf und einem Raketen- bzw. Granatwerfer für grobe Aufräumarbeiten aus der Distanz ganz gut beraten. Alle Waffen im Spiel verfügen über endlos Munition, allerdings ist die Zahl der Schuss pro Magazin begrenzt und das Nachladen dauert, je nach Waffe, unterschiedlich lange. Ein Punkt, den man bedenken sollte, da man während des Nachladens wehrlos ist.
Um das Töten noch etwas abwechslungsreicher zu gestalten, stehen in einigen Levels zusätzlich diverse Fahr- und Flugzeuge zur Verfügung (Panzer, Powerloader, Jetbike & Helikopter), die man allerdings auch einfach links liegen lassen kann. Zum Erfüllen der Missionsziele sind sie jedenfalls nicht notwendig.


Das wirklich interessante und faszinierende an EDF 2017 sind jedoch die unglaublichen Mengen an Gegnern, mit denen sich der Spieler auseinandersetzen muss. Hier kommen nicht alle paar Minuten mal ein paar Monster angedackelt, die man dann in aller Ruhe erledigen kann, sondern es stürzen sich praktisch ohne größere Unterbrechungen ständig Dutzende von Viechern gleichzeitig auf einen und versuchen einen zu beißen, einzuspinnen, zu verätzen, zu zertreten, zu verbrennen, zu erschießen und was weiss ich noch alles. Man selbst steckt in der Mitte dieses ganzen Getümmels, feuert aus allen Rohren und versucht, sich seinen Weg zu den Mutterschiffen, Nestern u.Ä. zu bahnen, die pausenlos neue Gegner ausspeien, während rundum Explosionen krachen, Laserstrahlen umherzucken, Gebäude in sich zusammenfallen und sich über Funk die Teammitglieder die Lunge aus dem Hals schreien, das Haupquartier neue Befehle erteilt und ein Nachrichtensprechen über neue Entwicklungen im Krieg gegen die Ravagers informiert. Eine derartige Hektik und ein derartiges Tohuwabohu hab ich bis jetzt noch in keinem anderen Spiel erlebt (jedenfalls in keinem 3D-Shooter), aber genau diese Stimmung und Atmosphäre machen EDF 2017 so fesselnd und faszinierend IMO. Und davon abgesehen: Wieviele andere Shooter gibt es sonst noch, in denen man gegen UFOs, Riesenameisen, Tarantula, Godzillas Brüder und all die anderen wahrgewordenen Alpträume aus frühen SF-Filmen antreten muss?
Da schadet es einfach kaum, dass das Voiceacting nicht überragend ist, die Monster wenig abwechslungsreich und meist recht simpel animiert und dass das Spiel ruckelt wie Sau, wenn zuviele Gegner, Laserstrahlen usw. auf dem Bildschirm unterwegs sind. Der Adrenalinschub auf dem Höhepunkt der Schlacht und das Glücksgefühl, wenn man eines dieser Gemetzel heil überstanden hat, sorgen dafür, dass man den Controller kaum aus der Hand legen kann, bevor man nicht das ganze Game komplett durchgespielt hat. Dazu kommt die einfache Bedienung und Missionsstruktur, durch die man kein großer Joypadakrobat oder Meisterstratege sein muss, um Erfolgserlebnisse zu haben. (So ganz ohne Nachdenken gehts allerdings auch nicht, speziell in den höheren Leveln und/oder Schwierigkeitsstufen!) Über die technischen Unzulänglichkeiten des Games wurde ja schon in zahlreichen anderen Reviews referiert, aber ein Punkt blieb dabei leider oft auf der Strecke: EDF 2017 ist einfach geil und macht einen Riesenspaß!


Fazit
Siehe oben. ^^ Wer alte B-Schinken mag und gerne ballert, bis die Daumen glühen, der wird dieses Game lieben! Allerdings finde ich, der technischen Unzulänglichkeiten wegen und eingedenk der Tatsache, dass es sich um die Adaption eines Budgettitels handelt, den normalen Verkaufspreis bei Amazon & Co. deutlich zu teuer. Aber wenn man das Game z.B. gebraucht bei eBay für 15-20€ bekommt, dann ist dieses Geld wirklich exzellent angelegt!
Bleibt eigentlich nur noch zu hoffen, dass D3P irgendwann auch The Chikyuu Boueigun 2 auf die 360 portiert, denn das hatte doch einige Features, die ich bei EDF 2017 vermisst habe, wie z.B. die zwei Spielercharaktere mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Wafenarsenalen, mehr und abwechslungsreichere Schauplätze und Monster, Wechsel von Tag und Nacht usw.
P.S.: Sorry für den Mangel an wirklich guten (actionreichen) Screenshots, aber es ist leider so gut wie unmöglich, mitten im Schlachtgetümmel mit einer Hand zu rennen und und zu schießen und mit der anderen gleichzeitig Apfel-Shift-3 zu drücken – und das auch noch im richtigen Moment. Die meisten so entstandenen Bilder sind leider total verwischt und unbrauchbar.
Aber zum Glück gibts ja genug Gameplay-Videos bei Youtube.
Magst Du alte (schwarz/weisse) SF-Filme?
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